Erstes Schwimm-Gold für Tunesien
Oussama Mellouli hat die erste Gold-Medaille eines tunesischen Schwimmers gewonnen. Der 24-Jährige siegte über 1500 Meter Freistil in 14:40,84 Minuten. Vor den Olympischen Spielen war Mellouli 18 Monate wegen Dopings gesperrt gewesen und durfte erst seit Mai wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Zweiter wurde der Australier Grant Hackett in 14:41,53 Minuten. Er vergab damit die Chance, als erster Mann auf einer Strecke dreimal in Serie Olympiasieger zu werden. Bronze holte sich der Kanadier Ryan Cochrane in 14:42,69 Minuten.
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Kommentar: Warum durfte Mellouli gewinnen? | RP ONLINE
Warum durfte Mellouli gewinnen?
VON CHRISTIAN KURTH
Peking (RPO). Vorletztes Rennen bei den Schwimmwettbewerben in Peking, 1500 Meter Freistil: Auf dem Startblock steht auch Oussama Mellouli. Knapp 15 Minuten später schlägt der Tunesier als Erster an. Er gewinnt Gold, das er niemals hätte gewinnen dürfen.
Rückblick: Am 30. November 2006 wird Mellouli des Dopings überführt. Er hat Amphetamine genommen. Seine Erklärung: Er musste eine Prüfung für sein Studium ablegen, wollte nicht einschlafen. Das erreicht in etwa die Kategorie Ausrede von Dieter Baumanns Zahnpasta-Theorie.
Der tunesische Verband sprach eine an Härte und Abschreckung kaum zu überbietende Strafe aus: eine Verwarnung. Der Welt-Schwimm-Verband legte zumindest mal Einspruch ein. Erst knapp ein Jahr später sperrt der Oberste Sportgerichtshof CAS den Betrüger - für 18 Monate. Immerhin, seine Ergebnisse aus diesem Zeitraum werden annulliert, was für den Tunesier unter anderem den Verlust seiner beiden WM-Medaillen von Melbourne über 400 Meter und 800 Meter Freistil zur Folge hat.
Aber warum 18 Monate, warum nicht die üblichen zwei Jahre? Dann wäre Mellouli für Peking gesperrt gewesen. Nicht nur der Australier Grant Hackett stellt sich diese Frage, denn er verpasste als Zweiter den olympischen Gold-Hattrick über 1500 Meter Freistil. Noch nie hat ein Schwimmer bei drei aufeinanderfolgenden Spielen in derselben Disziplin gewonnen.
Auch Teile der knapp 17.000 Zuschauer im Wasserwürfel wussten, dass Mellouli das Gold nicht zusteht, sie pfiffen ihn vor und während des Rennens aus. Konsequent. Genau die Eigenschaft, die den CAS-Verantwortlichen fehlt.