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Vieux 12/03/2008, 15h53
Avatar de Nemesis
Ray of Light
 
Date d'inscription: mars 2007
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Nemesis a une réputation au-delà de tout renom Nemesis a une réputation au-delà de tout renom Nemesis a une réputation au-delà de tout renom Nemesis a une réputation au-delà de tout renom Nemesis a une réputation au-delà de tout renom Nemesis a une réputation au-delà de tout renom Nemesis a une réputation au-delà de tout renom Nemesis a une réputation au-delà de tout renom Nemesis a une réputation au-delà de tout renom Nemesis a une réputation au-delà de tout renom Nemesis a une réputation au-delà de tout renom
Gejagter Jäger

Seit anderthalb Jahren ist Roberto Saviano auf der Flucht vor den Killern der Neapolitanischen Mafia. Weil er die Clans mit den Waffen des Schriftstellers herausfordert. Weil er erzählt, was alle wissen. Porträt eines wahren Helden
Was ist das für ein Leben, wenn man 28 ist und jede zweite, dritte Nacht woanders verbringt. Wenn man das eigene Heimatdorf nur mit Polizeieskorte betreten kann. Wenn ständig drei Beamte vor der Tür stehen, hinter der man schläft, und drei weitere einen beim Gang in die Videothek begleiten, ins Fitnessstudio, vors Gaststättenklo, wenn man öffentliche Orte tunlichst meiden soll, wenn Kino tabu ist, Spaziergänge im Park, Nachtleben, Konzerte sowieso, wenn man niemanden lieben darf, und das alles, weil man ein einziges Buch geschrieben hat. Was ist das für ein Leben, als Held?
Ein ziemlich beschissenes, sagt Roberto Saviano nach einigem Zögern, er ist schließlich nicht hier, um zu klagen. Wir sitzen in einem französischen Restaurant in München, das kurz vor ihm drei Herren in Zivil betreten und ihm wie immer den Platz zugewiesen haben, der am weitesten entfernt vom Fenster ist. Dort hockt er nun also, stochert lustlos in seiner Vorspeise herum und erklärt, die Frage, wie es ihm gehe, stelle sich für ihn nicht. „,Gomorrha‘ hat mein Leben ruiniert“, sagt er und meint es ganz sachlich. Er selbst habe das Buch geschrieben, habe dieses Leben gewählt, nun müsse er da durch, was bleibe ihm übrig. Leid tue es ihm nur um seine Familie. Die Mama. Den Bruder. Die Angehörigen. Die hätten wegen ihm jetzt ein schweres Leben und könnten doch nichts dafür. Zum Glück habe er keine Kinder.

Es ist ein kleiner Realitätsschock, Saviano so reden zu hören, einen Mann in jungen Jahren, aber mit der Direktheit von einem, der sich schon lang keine Illusionen mehr macht. Er redet nicht, als ginge es um sein Leben, er redet, weil es um sein Leben geht, und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Saviano braucht die Öffentlichkeit, dringender als jeder andere Autor. Reden, schreiben, im Gespräch bleiben, das ist seit knapp zwei Jahren seine einzige, vielleicht beste Lebensversicherung. Seit „Gomorrha“ in Italien erschien, sich im Land der Paten annähernd eine Million Mal verkaufte, europaweit in den Bestsellerlisten landete und so urplötzlich zum massenmedialen Thema wurde, was kein Thema sein darf: das System der Camorra – der Mafia von Neapel und dessen Umland Kampanien.

Normalerweise sitzen jene, die über das Innenleben krimineller Clans auspacken, als Kronzeugen in Hochsicherheitstrakten oder hoffen irgendwo auf der Welt, mit einem neuen Leben und einem neuen Gesicht ausgestattet, dass die alten Kollegen sie niemals finden. Saviano dagegen ist ein Schriftsteller in Lebensgefahr, der Salman Rushdie von Italien, nur mit dem Unterschied, dass Rushdie von irren Moslems bedroht wird, er aber, Saviano, von Leuten aus der Mitte Europas, sogenannten ehrenwerten Bürgern Italiens. Bürgern, die nichts mehr verachten als Gesetzestreue und die nichts mehr scheuen als die Öffentlichkeit. Oder wie es der italienische Richter und Mafiajäger Antonio Caponnetto einmal treffend umschrieb: „Lieber einsitzen als auspacken.“

Aufgewachsen in Casal di Principe, dem Corleone Kampaniens, kannte Roberto Saviano die ungeschriebenen Regeln, die Moral und Zeichensprache der Clans von klein auf. Er wusste, dass man Camorra-Dörfer an den Einschusslöchern auf den Schildern am Ortseingang erkennt. Er schwänzte die Schule und saß vorm Fernseher, wie alle anderen, wenn wieder einmal „einer der ihren“ vor Gericht stand. Er lernte, dass Norditaliener keine Männer sind, sondern Schwächlinge, unfähig, ihre Frauen richtig zu befriedigen – Norditalien beginnt von Neapel aus gesehen in Rom. Er sah seinen ersten Live-Mord im Alter von zwölf Jahren, und im selben Jahr nahm ihn sein Vater mit an den Strand von Pinetamare, drückte ihm eine Beretta 92 FS in die Hand und zeigte ihm, wie man schießt. Noch heute trägt er an den Händen drei Ringe nach Art der Region. Zwei rechts, einen links.

Mit 18 verließ er sein Dorf und studierte Philosophie in Neapel und Düsseldorf. Irgendwann dann die Idee eines Buchs über das, was alle wissen und doch niemand aufschreibt. Kein fiktives, aber doch ein literarisches Werk. Eines, das die Kraft der Erzählung nutzt, um die Krankhaftigkeit des Systems allen vor Augen zu schleudern, die wirklich hingucken wollen.

Also quartierte Saviano sich in Neapels Hafenviertel ein, schleppte Kartons voller Schuhe und Bikinis, hörte Polizeifunk, fuhr zu den Stätten der Auftragsmorde, recherchierte sechs Jahre lang. Und schrieb schließlich ein Werk ohne Umschweife und voller Detailkenntnis, in loser Folge aus Anekdote und Analyse, dramaturgisch pointiert, Biografisches mit Historischem mischend.

Wir lernen, wie genau der illegale Warenumschlag im Hafen funktioniert. Wer die Familien der Licciardis, der Di Lauros, der Schiavones sind. Wie italienische Modehäuser über Mittelsmänner an der kriminellen Textilindustrie mitverdienen. Was im Camorra-Slang das Wort U-Boot bedeutet oder „la mesata“. Warum in einem Kaff wie Casal di Principe 517 Baufirmen angemeldet sind und knapp die Hälfte der Einwohner vorbestraft ist. Und wir sind dabei, als der virtuose Schneider Pasquale aus Arzano im Fernsehen zufällig Angelina Jolie bei der Oscargala in einem weißen Hosenanzug entdeckt, den er selbst genäht hat, für 600 Euro Lohn im Monat, und wie er anderntags aus Protest auf Lkw-Fahrer umsattelt.

„Gomorrha“ wirkt manchmal etwas unstrukturiert, ist aber fast durchweg packend, bisweilen schockierend in der Beiläufigkeit der geschilderten Grausamkeiten – ob nun ein vermeintlicher Verräter mit einer Flex geköpft wird, Augen mit dem Schraubenzieher ausgestochen, tote Chinesen im Tiefkühlcontainer der Heimat zugeführt oder Junkies mit Drogenangeboten zu Dumpingpreisen in eine bestimmte Gegend gelockt werden, um an ihnen zu testen, wie genau sich die neuesten Streckmethoden beim Heroin auswirken.

Nicht zuletzt deshalb fielen auch die Reaktionen extrem aus. Medien von „La Repubblica“ bis zur „New York Times“ schrieben vom „neuen Neo-
realismus Savianos“, der Premio Viareggio wurde ihm zuerkannt, Übersetzungen in 42 Sprachen folgten und zahlreiche Nachahmer. Im fernen Helsinki erschienen einmal 300 Leute zu einer Lesung seines Buchs, da war es in Finnland noch gar nicht erschienen.

Das war die eine Seite. Die andere Seite, das waren die Nachbarn, die Savianos Mutter und Bruder nahelegten, das Dorf zu verlassen – die Mutter zog ein paar Dörfer weiter, der Bruder wohnt inzwischen in Norditalien. Die alten Freunde, die sich von ihm lossagten, vermutlich aus Angst, aber darüber spricht man nicht. Der Bäcker, der ihn nicht mehr bediente. Neapels Bürgermeisterin Rosa Russo Iervolino, die ihm unterstellte, eine fixe Idee gegenüber seiner Heimat entwickelt zu haben. Die zahllosen Schmäh- und Drohbriefe, alle im Tenor, er habe den Boden beschmutzt, dem er entstamme.

Wirklich gefährlich aber war, dass sich die örtlichen Clans der "nuova famiglia" – der Neuen Familie, wie sie sich selbst nennen – in dem Maße für ihn zu interessieren begannen, wie sein Buch die Charts eroberte. Gern erzählt Saviano die Geschichte eines abgehörten Telefongesprächs, das ihm die Ermittler eines Tages vorspielten. Fragt der eine Camorrista den anderen: „Hast du das Buch gelesen, von diesem Saviano?“ Sagt der andere: „Ja. Hoffen wir, dass es die Richter nicht tun.“

Die Richter lasen es, die Leute lasen es, rund zwei Jahre hielt sich „Gomorrha“ an der Spitze der italienischen Buch-Charts, vor allem junge Italiener erschienen scharenweise zu seinen Lesungen

Irgendwann auf einer solchen Buchpräsentation im Herbst 2006 gesellte sich später am Abend beim Plausch mit Fans und Kollegen ein Mann zu ihm und sagte, er überbringe eine Nachricht von Don Walterino. Sie lautete: „Ich habe nichts dagegen, wenn jeder Mensch seinen Job macht. Du aber, Roberto, hast dich in mein Privatleben eingemischt. Also werde ich mich auch in dein Privatleben einmischen.“

Don Walterino ist der Spitzname von Walter Schiavone, dem Paten von Casal di Principe und Bruder des berüchtigten Bosses Francesco Schiavone, genannt Sandokan. Kurz nach diesem Abend, am Freitag, den 13. Oktober 2006, verschwand Roberto Saviano von der Bildfläche. Auf Drängen des Kollegen Umberto Eco hin stellte ihm der Staat rund um die Uhr drei Leibwächter zur Verfügung sowie eine Reihe geheimer Wohnsitze, zwischen denen er seither in unregelmäßiger Folge hin und her pendelt.

Der Camorra war er offenbar noch nicht verschwunden genug. Als er im vergangenen Jahr als Zuschauer bei einem Prozess gegen führende Camorristen im Gerichtssaal auftauchte, drehte sich einer der Angeklagten zu ihm um, setzte sein süffisantestes Grinsen auf und raunte ihm zu: „Schönen Gruß auch an Don Peppino!“

Fragt man Roberto Saviano, warum er dieses Buch geschrieben habe, dann fällt der Name Don Peppino ziemlich schnell. Ausführlich beschreibt der Autor in „Gomorrha“ die Ankunft des Priesters aus Rom in Casal di Principe, eines jungen, weltgewandten, furchtlosen Typen, der in seiner Freizeit auch mal Jeans trug und Zigarren rauchte. Das war Anfang der 90er-Jahre, zur Zeit des blutigen Bandenkriegs zwischen den mächtigen Familien Bardellino und Schiavone. Don Peppino wollte sich mit dem allgemeinen Schweigen über die täglichen Abscheulichkeiten nicht abfinden. Er kannte die Verantwortlichen, er durchschaute das System, er fand so klare Worte wie kein Kirchenführer zuvor, er nannte die Dinge beim Namen.
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When I despair, I remember that all through history the ways of truth and love have always won. There have been tyrants, and murderers, and for a time they can seem invincible, but in the end they always fall. Think of it - always!
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AW: Gejagter Jäger

Am ersten Weihnachtstag 1993 sandte er ein Schreiben an die Gemeindemitglieder, unterzeichnet von allen Priestern der Umgebung, in dem er die „heutige Camorra“ als eine „Form des Terrorismus“ geißelt, verantwortlich für kriminelle Delikte aller Art, Rauschgifthandel, Mord-serien, Umweltzerstörung, unheilvoll und – für die Bosse das Schlimmste – unchristlich in jeder Hinsicht.

Am 19. März 1994 töteten ihn Unbekannte mit zwei Schüssen ins Gesicht, als er sich gerade auf die Morgenmesse vorbereitete. Don Peppino war zu dem Zeitpunkt 36, Roberto Saviano 16 Jahre alt. Er erinnert sich, wie ihn seine Tante weckte, indem sie ihm das Bettlaken wegzog und es aus dem Fenster hängte, wie Tausende Gemeindemitglieder an diesem Tag, als ein stilles Zeichen der Trauer und Aufruhr.

Ein Mann namens Cipriano, ein Jugendfreund Don Peppinos, hatte zur Beerdigung eine kämpferische Rede verfasst, die zu halten ihm schließlich die Kraft fehlte. Eine der bewegendsten Stellen in Savianos Buch ist die, als er diesen Cipriano ausfindig macht und der ihm aus dem Manuskript der geplanten Rede vorliest, die mit dem Satz beginnt: „Wir lassen nicht zu, dass die Camorra von unserem Land Besitz ergreift und es zu einem einzigen großen Gomorrha macht.“

Er sei beileibe kein frommer Katholik, sagt Roberto Saviano. Dennoch sei das Buch auch ein später Versuch, dem furchtlosen Priester zur Seite zu stehen.
Ein groß angelegter, erstaunlich weitreichender Versuch – auch weil Saviano das bigotte Erfolgsrezept der modernen Camorra sehr einleuchtend analysiert. „Die heutigen Camorristi halten sich für ganz normale Geschäftsleute und treten auch so auf – die Camorra agiert erfolgreicher denn je und ist in Kampaniens Manageretagen längst fest verankert, ob im Textil-, Bau- oder Immobiliengeschäft“, sagt er im Interview.

Und das Wichtigste: Ihr Aufbau folgt modernsten Business-Kriterien. „Die Vorteile der "nuova famiglia" gegenüber der legalen Konkurrenz: Sie arbeitet schnell, steuerfrei und extrem flexibel.“ Ihre Macht sei, anders als etwa bei der sizilianischen Mafia, dezentral verteilt, sprich in der Hand vieler Clans und kleinerer lokaler Gruppen, was die gesamte Organisation weniger polizeianfällig mache und sie schneller auf Marktentwicklungen reagieren lasse.

Zugleich huldigen die Clans laut Saviano heute einem bizarren Abenteuer- und Stilkult, der mehr denn je von Hollywood inspiriert ist. „Früher filmten Regisseure, wie die Mafia aussieht“, sagt Saviano. „Heute wollen Mafiosi so aussehen wie in Kinofilmen.“ Ein Clanchef baut sich ein Haus, ein exakter Nachbau der Villa von Tony Montana alias Al Pacino in „Scarface“. Einer nennt sich „The Crow“ und kleidet sich auch so. Eine nennt sich Nikita. Eine andere trägt den gleichen gelben Motorradanzug wie Uma Thurman in „Kill Bill“.

So erfolgreich Saviano auftritt, so vergeblich wird sein geradezu romantischer Aufstand gegen die Mörder mit den Mitteln der Kunst wohl bleiben, denn die Camorra bleibt übermächtig, und die Zeit läuft gegen ihn, den Einzelkämpfer ohne Kanone. Als Roberto Saviano sein Heimatdorf im September 2006 besuchte und auf dem Marktplatz eine flammende Rede hielt, war sein Buch gerade erst erschienen, die Leute schauten neugierig, und manche applaudierten sogar, als er ihnen zurief, die Camorra habe in Casal di Principe nichts verloren, und an sie appellierte: „Jagt sie! Jagt sie fort!“

Als er im September 2007 erneut kam, um eine Ansprache zum Schuljahresbeginn zu halten, blieben die Geschäfte geschlossen, die Rollläden heruntergeklappt, und der Senior des Schiavone-Clans stellte sich auf den Marktplatz und sagte in jedes Mikro unwidersprochen, Saviano sei ein „pagliaccio“, ein Hanswurst, der sich doch nur wichtig tun wolle. Die Szene, vom Satiremagazin „Le Iene“ gefilmt und auf YouTube zu sehen, ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Schiavones Stärke zeigen wollen, weil benachbarte Clans sie fragen, warum sie den Unruhestifter aus ihrem Herrschaftsgebiet nicht längst zum Schweigen gebracht haben.
Vieles deutet darauf hin, dass die Clans sich mächtig über das Aufsehen um Saviano ärgern und nur darauf warten, bis die öffentliche Teilhabe nachlässt und weniger öffentlicher Aufruhr entsteht, wenn ihm etwas zustößt.

Saviano weiß das. Aber er lebt. Und das, sagt er, sei sein größter Triumph. Seit einiger Zeit arbeitet er am nächsten Buch, das vom Kokainverkehr handelt, seinen Kanälen und Hintermännern.

Und das Wichtigste: In Italien ist Saviano nach wie vor in aller Munde. Eine Theaterversion von „Gomorrha“ lief in Neapel und Rom mit großem Erfolg, die Verfilmung durch Matteo Garrone soll in Cannes ihre Premiere feiern. Und in den Medien mischt Saviano sich nach wie vor regelmäßig ein, zuletzt etwa mit einem streitbaren Artikel in „La Repubblica“ über die „Peste Silenziosa“, die „Stille Pest“ genannte Müllkatastrophe in Neapel. Darüber empörten sich alle in Italien, so sehr sogar, dass im Januar der Präsident das Militär in die Stadt schickte, um die übelsten Müllberge zu entfernen.

Gut für Saviano. Denn dann wollen die Leute auch wissen, was er zu sagen hat: Dass die Camorra nirgends so gut verdient wie am Müllgeschäft, weil die öffentlichen Deponien überquellen und die Clans jeden Müll diskret annehmen und irgendwo lagern oder einbuddeln, und sei er noch so giftig. Dass im Umland von Neapel die Zahl missgebildeter Föten um 80 Prozent über dem Landesdurchschnitt liege. Dass die Region Kampanien wohl die einzige in Westeuropa sei, wo das Leben in der Stadt gesünder sei als auf dem Land.

Saviano selbst darf sich relativ sicher wähnen, solange das Rampenlicht so hell ist wie jetzt. Ein paar Dinge aber bleiben für immer anders. Seine alte Recherchemethode vor Ort zum Beispiel musste er aufgeben, dafür erfährt er jetzt viel von Behörden und arbeitet eng mit Staatsanwälten, Ermittlungsrichtern und der Polizei zusammen.

Die drei Carabinieri, die ihn rund um die Uhr beschatten, sind längst seine Freunde. Sie laden ihn zu sich nach Hause ein, man isst zusammen im Kreis der Familie. Am Wochenende geht Saviano selten aus, damit die drei öfter bei ihren Kindern sein können. „Darüber, dass ich lebensgefährlich für sie bin, haben sie sich noch nie beschwert.“

Ob es irgendwann besser werden kann für ihn? „Ich habe die Hoffnung, dass ich mir neue Feinde erschreiben werde, die die alten Feinde bekämpfen, und die sich dann gegenseitig neutralisieren“, sagt Saviano. Was für Aussichten. Was für ein Leben.

quelle: gq-magazine.de
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