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| AW: Befreit den Propheten aus seiner religiösen Umklammerung! Damit diese Behauptung an Plausibilität gewinnt, muss man den Koran von allen Hinweisen auf einen arabischen Propheten namens Mohammed befreien. Den ersten und wichtigsten Schritt hierzu geht Ohlig, indem er die gesamte, viele tausend Seiten umfassende arabisch-islamische Überlieferung zum frühen Islam ignoriert. Sie ist in seinen Augen eine gigantische Fälschung. Ohlig hat naturgemäß keinen Einblick in die Vielschichtigkeit dieser Überlieferung und verwechselt ihren Inhalt offenbar mit dem dogmatischen, schlichten Mohammedbild, das das muslimische Erbauungsschrifttum beherrscht. Ohlig hat es also nur noch mit dem Koran zu tun, und dessen Texte seien „in seltsamer Weise geographisch unbestimmt“. Mehr als nur ein Knecht? Sie auf den Hedschas zu beziehen, ist demnach nicht nötig. So bleibt allein der Name „Mohammed“, „der Gepriesene“, hinwegzuerklären. Er findet sich im Koran, auf Münzen der zweiten Hälfte des siebten Jahrhunderts und in einer Inschrift im unter dem Kalifen Abd al-Malik (regierte von 685 bis 705) fertiggestellten Felsendom. „Mohammed ist der Knecht Allahs und sein Gesandter“ heißt es dort; unter Bezugnahme auf Sure 4, Vers 171 f. werden die „Schriftbesitzer“ davor gewarnt, in Jesus mehr zu sehen als einen Knecht und Gesandten Allahs. Ein so früh zweifelsfrei bezeugter Prophet namens Mohammed wäre geeignet, die Konstruktion jener urchristlichen Gemeinde zum Einsturz zu bringen. Es ist Luxenberg, dem es in den „dunklen Anfängen“ vorbehalten ist, diese Gefahr zu bannen. „Mohammed“, so führt er aus, ist in diesen Fällen gar kein Eigenname, sondern das Prädikatsnomen zu dem „Knecht und Gesandten Allahs“. Man übersetze also: „Gepriesen ist der Gesandte und Knecht Allahs“, mithin Jesus. Dass man die Unstimmigkeiten, die man sich damit einhandelt, leicht überspielen kann, braucht nicht betont zu werden. „Mohammed“ macht Kummer. So darf das Wort eben nicht arabisch sein, obwohl die entsprechende Wurzel im Arabischen tausendfach bezeugt ist. Im Christlich-Syrischen ließ sich anscheinend nichts Brauchbares finden. Laut Ohlig hat sich Muhammad unmittelbar aus dem Altaramäischen (siebtes bis viertes Jahrhundert vor Christus) in die Zeit jener christlichen Sekte erhalten. Nach der neuesten, durch Volker Popp in „Der frühe Islam“ vorgeschlagenen These soll es sogar aus dem Ugaritischen (zweites Jahrtausend vor Christus) stammen und aus geheimnisvollen Gründen durch die nichttrinitarischen Christen zum Epitheton Jesu gewählt worden sein. Paradoxe Nebenfolge Die „neue, kritische Islamwissenschaft“ bemüht sich um eine Antwort auf Fragen, die der Historiker an die Quellen über das Leben Mohammeds zu richten hat; aber ihre Antwort besteht darin, dass sie den Forschungsgegenstand eliminiert. Dies geschieht, wie skizziert, mit fragwürdigen Methoden. Der Mohammed des Korans sowie der übrigen umfangreichen arabischen und auch etlicher früher außerarabischer Quellen bleibt als eine undurchdringliche, unhistorische Gegebenheit zurück, jenseits aller Ereignisgeschichte und unaufklärbar - ganz so, wie ihn sich die erdrückende Mehrzahl der Muslime wünscht, eine paradoxe Nebenfolge dieser Vorgehensweise. Die Islamwissenschaft muss sich, das ist unbestritten, vom muslimischen Mohammedverständnis emanzipieren, wenn sie der geschichtlichen Wirklichkeit nahekommen will. Schon seit über einem Jahrhundert haben manche ihrer Vertreter dies versucht, indem sie nach einem Passepartout fahndeten, das ihnen den Wirklichkeitsgehalt der Aussagen der Quellen in ihrer Gesamtheit mittels einer gleichsam mechanisch anwendbaren Methode erschließen und sie der Mühsal der Einzelanalyse überheben sollte, und bei diesen Versuchen sind ihnen die Quellen selber Schritt für Schritt abhandengekommen. Sie nicht ernst zu nehmen wurde zum Inbegriff „historisch-kritischer Methodik“. Das Ergebnis ist ein willkürlicher Umgang mit der Überlieferung im Ganzen wie mit Einzelzitaten. Schließlich erfährt bei Luxenberg und Ohlig selbst das Problem der hochreligiösen Einflüsse auf den entstehenden Islam, dessen Beachtung beispielsweise Lüling mit Recht anmahnte, keine angemessene Behandlung mehr. Eine Emanzipation vom muslimischen Vorverständnis, die zu solchen Ergebnissen führt, muss man als misslungen bezeichnen. Was hat es mit dem abrupten Wandel Mohammeds vom Dulder zum Machtmenschen auf sich? Welche geschichtlichen Ereignisse liegen dem zugrunde, und wie bildete sich die Interpretation heraus, die von den Muslimen für die historische Wahrheit angesehen wird? Diese Fragen bleiben, doch handelt es sich nicht um unbeantwortbare Fragen. Ältere, heute den Muslimen unwillkommene Stufen der Auslegung sind in der Überlieferung verborgen; die Aufgabe der Islamwissenschaft ist es, sie aufzuspüren. Es ist keinesfalls so, als wäre dergleichen nicht unternommen worden oder als hätten derartige Bemühungen bislang zu keinerlei überzeugenden Ergebnissen geführt. Es gibt sie durchaus, nur werden sie nicht in der Pose des Aufklärers präsentiert.
__________________ When I despair, I remember that all through history the ways of truth and love have always won. There have been tyrants, and murderers, and for a time they can seem invincible, but in the end they always fall. Think of it - always! |
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